Städtefreundschaft Wuhan und Duisburg.
Auszug aus "Du kannst alles, was Du willst"
Theo Messing - Mercatorverlag Duisburg
Am 08. Oktober 1982 wurde zwischen den Städten Wuhan und Duisburg eine Freundschaft beschlossen.
Eine Delegation aus Politik und Wirtschaft der Stadt Duisburg begleitete den Festakt in Wuhan,
in dem Oberbürgermeister Josef Krings gemeinsam mit dem Wuhaner Oberbürgermeister Li Zhi
die Städtepartnerschaftsurkunde unterschrieben.
Wuhan hat mehr als 8 Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt der Provinz Hubei.
Die Stadt am großen Fluss Yangtze liegt 1600 km südlich von Peking.
In der Provinz Hubei in der 58 Millionen Menschen leben, und Reisfeldern, Seen- und Berge das Bild der Landschaft prägen,
ist Wuhan Mittelpunkt der Industrie.
Die chinesische Stahlproduktion war in den Jahren 1970 bis 1980 von 20 auf 40 Millionen
Tonnen angestiegen. Die Wuhan Iron & Steel Corporation WISCO erzeugte davon 20%.
Das von Russen erbaute Hüttenwerk wurde 1958 mit einer Produktion von jährlich drei Millionen Tonnen Stahl von Mao Tsetung eröffnet.
1980 besuchte Deng Xiaoping WISCO und erklärte die Erweiterung um weitere 4 Millionen Tonnen.
1972 erhielt die Schloemann Siemag AG den Auftrag, ein Blechwalzwerk zu bauen. Die Anlage der Vakuummetallurgie
zur Gewährleistung der erforderlichen Qualität des Stahles wurde bei Messo bestellt. Das Messo Team war 1974 zur Inbetriebnahme in Wuhan.
Zum Abschluss der Arbeiten erlebten wir etwas, was nicht alle Tage vorkommt.
Der Betriebsrat der WISCO schickte uns ein Paket mit einem Hemd aus Chinaseide als Geschenk für unseren Baustellenleiter Einecke.
Im Begleitbrief stand in Sütterlinschrift geschrieben "herzlichen Dank für die gute Leistung und die soziale Partnerschaft".
Im Jahre 1978 wurde das Stahlwerk erweitert. Die Duisburger Firmen Mannesmann-Demag, Krupp und Thyssen erhielten den Auftrag.
Zur Montage und Inbetriebnahme der Anlagen lebten von 1979 bis 1982 mehr als 300 Duisburger Techniker und Ingenieure, mit ihren
Familien in einer Wohnanlage in Wuhan. Der Baustellenleiter der Demag, Herr Kunde, hat für die chinesischen Freunde Einrichtungen
der Anlage geöffnet und sie an vielen sozialen Ereignissen teilnehmen lassen. Aus der guten Zusammenarbeit
mit den chinesischen Freunden erwuchs die Idee einer Städtepartnerschaft,
die zusätzlich dadurch gefördert wurde, dass beide Städte ähnliche Strukturen aufweisen,
sie liegen am großen Fluss und sind Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie.
Wuhan lud Duisburg zum Gespräch über diese Partnerschaft ein und die Verantwortlichen aus Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft waren sich einig, dieser Einladung zu folgen.
Oberbürgermeister Krings und Kammerpräsident Kürten stellten ein Team zusammen, dass die gegenseitigen Interessen
zu einem Gesamtpaket bündelte, dessen Ergebnis ein Jawort zur Partnerschaft sein sollte.
In der 14köpfigen Reisegruppe waren als Vertreter der Stadt, OB Krings, Oberstadtdirektor Krämer und der
Vorsitzende der Stadtwerke Duisburg , Herr Theiß, als Vertreter der Handelskammer, Präsident Kürten, Hauptgeschäftsführer Theo Pieper
und Theo Messing, und für die am Projekt beteiligten Firmen die Delegierten der Industrie, Urban von Krupp,
Strippken von der Demag, Schmidt von Thyssen, sowie 4 weitere Herren aus der Zulieferindustrie,
und für die Wissenschaft der Rektor der Mercator Universität Duisburg, Professor Weyer.
Am 4 Oktober 1982 flog die Duisburger Delegation nach China.
Bei der Zwischenlandung in Peking wurden wir von der stellvertretenden Ministerpräsidentin Cheng Muhua im Regierungspalast empfangen.
Der Deutsche Botschafter, in China, Dr. Günther Schödel, der Direktor des Büros für auswärtige Angelegenheiten in
Wuhan, Zhang Chang, und Präsident des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland, Xie Bangeling
unterstrichen mit ihrer Anwesenheit den Anlass unserer Reise, dessen Bedeutung uns bei diesem Empfang bewusster wurde.
Bei dem anschließenden Besuch der Deutschen Botschaft unterstrich Herr Schödel das noch einmal.
Der Referent für Wirtschaft, Herr Überschär, bot uns seine Reisebegleitung an, was wir mit Beifall begrüßten,
weil die Barrieren der Sprache in diesem fernen Land und die Sitten und Gebräuche anders zu deuten sind als bei uns.
Auf der Rollbahn des Flughafens in Wuhan wurde uns ein überaus herzlicher Empfang durch freundlich lächelnde Chinesinnen
in prachtvollen bunten Gewändern und durch fröhliche Kinder zuteil, die mit strahlenden Augen und großer Freude bunte Fähnchen schwenkten.
Die Oberbürgermeister beider Städte begrüßten sich in freundschaftlicher Umarmung und in einem Convoy der Fahrzeuge fuhren wir zum
Rathaus der Stadt. Jeder von uns stellte sich persönlich vor, und am Ende einer eindrucksvollen Sitzung fuhr unsere Reiseführerin
der nächsten Tage, die hübsche Frau Mao, mit uns zum Gästehotel der Regierung.
Am späten Abend waren wir beim deutsch gebrauten Tsingtau Bier unter uns mit der Frage beschäftigt,
wie wir uns verhalten, wenn die Stadt Wuhan am nächsten Tag eine Urkunde der Partnerschaft zur Unterschrift anbietet.
Die Politiker brauchten für solche Fälle die mehrheitliche Zustimmung des Rates der Stadt.
Die Wirtschaftvertreter konnten vor Ort entscheiden. Wir waren uns schnell einig mit den Politikern:
Unterschreiben und dann das Projekt dem Rat der Stadt verkaufen.
So gesagt und so geschehen. In der Urkunde heißt es:
"Beide Seiten werden auf der Grundlage der neuen freundschaftlichen Beziehungen entsprechend den Prinzipien
der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Nutzens den Austausch und die Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wirtschaft,
des Handels, der Wissenschaft, der Technik, der Kultur, der Erziehung, der Gesundheit und der Stadtverwaltung
sowie auf anderen gemeinsam interessierenden Gebieten in vielfältigen Formen und breitem Spektrum entfalten."
Das denkwürdige Ereignis wurde am nächsten Tag am Ostsee, einem großen See im Bereich der Stadt mit einer weitläufigen Parkanlage,
in einem Pavillon gefeiert. An diesem beliebten Platz der Ruhe und Entspannung pflanzten wir Bäume der Freundschaft.
In der Duisburger Presse wurden die Spatenstiche der Delegierten in Fotos dargestellt mit dem Titel:
Das Pflanzen von Freundschaftsbäumen hat in China Tradition. Oberbürgermeister Krings und Stadtoberhaupt Li Zhi "gärtnern"
anlässlich der Unterzeichnung eines Partnerschaft Vertrages zwischen den beiden Städten Duisburg und Wuhan.
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